Bäckerei Konditorei Nikolaus Reis

Erfolgsgeschichte

Nikolaus Reis I. (1872 bis 1923) wurde in Sonderham-Degerndorf bei Münsing geboren und erlernte in Staltach das Brauerhandwerk. Eine Anstellung fand er in Argelsried in der damaligen Brauerei.
1902 heiratete Nikolaus Reis die im dortigen Gasthaus beschäftigte Kellnerin Kreszentia Lochner (1881 bis 1945) aus Gilching. Von Johann Bach aber kaufte er ein großes Grundstück und errichtete darauf ein zweistöckiges Haus. In den dazu gehörigen Kellerräumen richtete er eine Backstube ein. Die Bäckerei Reis war geboren.

Zwei Hundestärken...

Zwei Bernhardiner ersetzen Pferdestärken
Für die Bäckerei stellte er einen gelernten Bäcker an. Laut Chronisten hatte man einige Mühe, die Ware los zu bringen. Der Service war relativ komfortabel: Zwei Bernhardiner zogen einen mit Körben beladenen Wagen. Damit wurden die umliegenden Dörfer bereist, um mit den Bewohnern ins Geschäft zu kommen. "Dies war damals nicht einfach", schreibt der Chronist. "Die Mehrzahl der Bewohner waren ja Bauern, die alle ihr Brot selbst gebacken haben." Der Aufschwung kam mit der Bahn. Jetzt war schon ein Pferdewagen notwendig, um die Bestellungen auszuliefern.
1903 wurde Nikolaus II geboren. Er heiratete 1930 Eleonore Widmann aus St. Gilgen. 1932 übernahmen Nikolaus und Eleonore Reis das Geschäft der inzwischen verwitweten Centa Reis.

Die ersten Lieferwägen
"Unermüdlicher Fleiß, geschickte Geschäftsführung und das Aufblühen der Gemeinden ringsum trugen zur Expansion der Bäckerei bei", schreibt der Chronist. Anfang der dreißiger Jahre wurden die Pferdewägen durch richtige Kraftfahrzeuge ersetzt. Und dort, wo einst die Pferde und die Kohlen untergebracht waren, wurde eine Konditorei eingerichtet. Der Hauptumsatz jedoch wurde seinerzeit noch durch das Ladengeschäft gemacht. Dort gab es alles, vom Kleiderstoff über den Brathering bis zur Glühbirne und der Frischmilch. Probleme gab es während der Kriegsjahre 1939 bis 1945. Sämtliche männlichen Beschäftigten wurden eingezogen, viele von ihnen kamen nicht mehr zurück.
Fremdarbeiter wurden eingestellt. Fortan wurde holländisch und französisch gesprochen.

Bomben richten großen Schaden an
Zur Katastrophe kam es am 20. Juli 1944. Bei einem Bombenangriff auf den Flugplatz Oberpfaffenhofen ging auch ein Bombenregen aus das Haus der Familie Reis nieder. Der zweite Stock brannt vollkommen aus. Das Mehllager wurde beschädigt und auch die große Briketthalde hinter dem Haus entzündete sich. Tagelang mussten die Glutnester immer wieder gelöscht werden.

TSV-Shirts aus alten Mehlsäcken
Nach Kriegsende versuchte man, das fehlende Mehl durch Kartoffeln, die im Hof gekocht wurden, zu ersetzen. "Ein Lichtblick war, dass jetzt auch für die Amerikaner, die am Flughafen Oberpfaffenhofen stationiert waren, gebacken werden musste." Aus den gewaschenen Mehlsäcken der Amerikaner wurden übrigens die ersten Fußballtrikots für den TSV-Gilching geschneidert. Ein ehemaliges Feuerwehrauto wurde kurzerhand zu einem Brotlieferwagen umgerüstet. Nach der Währungsreform ging es mit der Bäckerei Reis stetig aufwärts.

STATIONEN:
1952 wird der Betrieb in eine OHG umgewandelt.
Zwischen 1955 und 1964: Die Kinder von Nikolaus II, Nikolaus III, Lore und Wolfgang sowie Gisela und Erika heiraten und machen sich selbständig.
1981: Nikolaus III, geboren 1931, und Erika (geb. Wagner) übernehmen die Firma
Zwischen 1953 und 1992 wird vergrößert, modernisiert und weitere Filialen eröffnet.
1992 haben Nikolaus IV., geboren 1957, und Christine Reis, geb. Altendorfer, die Leitung des Familienbetriebs übernommen.
Die Lieferwägen aber, mit der Aufschrift "Argelsrieder Backwaren" begegnen aufmerksamen Bürgern heute überall in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck.

Uli Singer
Quelle: Chronik "Arnisesried und Geisenbrunn"
Autoren: Rudi Schicht/Hans Lampl