Bäckerei Konditorei Nikolaus Reis

Bäckerordnung

anno dazumal

Zwei uralte Bäckerordnungen, die eine vom Jahre 1259, gegeben von Bischof zu Passau, die andere, vom Jahre 1432 von Bischof Leonhard zu Passau erlassen:

VON 1259

1. Kein Bäcker darf Brot verkaufen, welches mehr als zwei Tage alt ist. Im Übertretungsfall hat der schuldige Bäcker eine Geldstrafe von 12 Pfennigen zu erlegen.
2. Das Brot darf von Bäckern nur auf sogenannten E-Tischen verkauf werden.
3. Ohne Zustimmung der Bäcker kann niemand in ihr Handwerk eintreten oder aufgenommen werden.
4. Bäckersöhne, welche Meister werden wollen, haben dem Stadtrichter eine Taxe von 36 Pfennigen zu entrichten und den Bäckern einen Eimer Wein zu spenden.
5. Außereheliche Söhne der Bäcker haben auf kein Bäckerrecht in der Stadt Anspruch, ebenso nicht die Bäckerstöchter, welche in der Fremde heiraten.
6. Will ein Fremder dahier Bäcker werden, hat er beim Bischof 6 Pfd. Pfennig, den hiesigen Bäckern ebenfalls 6 Pfd. Pfennig und einen Eimer Wein zu geben, dann dem Stadtrichter 2 Pfd. Pfennig und 1 Pfennig den Schergen.
7. Wer auf einem Schiff oder Wagen Brot in die Stadt bringt, hat es im ganzen zu verkaufen und an einem bestimmten Orte.

VON 1432

1.
Die Bäcker sollen alle Tage und die Vesperzeit den Knechten ihren Lohn gaben.
2. Wenn ein Bäckerknecht zur Zeit des Abendessens um Arbeit vorspricht, ist der Meister shuldig, ihn das Abendmahl zu geben. Dafür ist der Knecht gehalten, am nächsten Tag 2 Schaff Mehl zu bearbeiten.
3. Es hat jeder Bäckerknecht das absonderliche Recht, wann ihn am Sonntag zur Mittagszeit jemand zum Essen ruft, darf ers die ganze Woche wagen, keck zum Tische zu gehen, ohne zu fragen.
4. Die Bäckerknechte sollen keinen Jungen schlagen, ohne den Meister zu fragen.
5. Die Knechte sollen ohne Willen ihres Obmanns keinen Jungen in ihre Zeche (Zunft) aufnehmen.
6. Meister und Knechte sollen mit acht Tagen (acht Tage vorher) nach alter Gewohnheit einander die Arbeit aufsagen.
7. Meister, die einen Helfer haben, sollen dem Zuknecht täglich 2 Pfennige geben.
8. Die Bäckerknechte haben ihre Klagen beim Stadtrichter vorzubringen.
9
. Bentel und Sieb gehören den Bäckerknechten nach alten Herkommen.
10. Die Bäckerknechte sollen zur Nachtzeit heimgehen, wenn die Feierglocke läutet.
11. Die Bäckerknechte wählen aus ihrer Mitte einen Obmann, der sie zu vertreten und ihre Streitigkeiten zu schlichten hat.

Quelle: Chronik "Arnisesried und Gilching"
Autoren: Rudi Schicht und Hans Lampl